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Tag 12

Die Tage in Panama wird wohl niemand so schnell vergessen, denn sie waren die klimatisch anstrengendsten auf unserer Reise. Und so hatte wohl jeder in der ersten Nacht im Hotel Bella Vista seine Mühen, den fehlenden Schlaf aufzuholen. Hierfür gab es zwei Gründe: Die einen schalteten die laute Klimaanlage aus und schliefen stattdessen in einem heißen Zim­mer. Die anderen bevorzugten ein kühles Zimmer, wurden aber aufgrund der ratternden Klimaanlage um ihren Schlaf gebracht. Und so war es nur verständlich, dass die Gesichter an diesen Morgen etwas verschlafen wirkten.

Nichts desto trotz, überraschte uns das Hotelpersonal mit einem unerwartet guten Frühs­tück. Cafe con laitje (Milchkaffee), Rührei, Tost, Orangensaft sowie Obst brachten uns wieder auf Trab. Denn pünktlich um 7.30 Uhr stand unser Tour Guide „Klaus“ mit dem Bus vor dem Hotel. Warum so früh, dachten sich manche. Jedoch sollte der frühe Start uns vor der extre­men Mittagshitze bei unserer geplanten Bootsfahrt bewahren, aber nun Schritt für Schritt.

Gegen 7.50 Uhr war dann klar, dass einige heute lei­der im Hotel bleiben mussten, da sie sich nicht weit vom edlen Toiletten-Porzellan entfernen durften. Woran das genau lag, haben wir nicht herausgefun­den, jedoch hatten einige von uns mit ähnlichen Er­scheinungen zu kämpfen. Und so ging es los zu unse­rer ersten Station, dem Soberania Nationalpark.

Der „Parque Nacional Soberanía“ ist das ideale Ziel für alle, die zwar die vielfältige Natur eines tropi­schen Feuchtwaldes kennenlernen möchten, jedoch vor den körperlichen Anstrengungen einer richtigen Tropenexpedition zurückschrecken. Das Gelände des Nationalparks beginnt nur wenige Kilometer von Panama City und erstreckt sich über 22.100 ha am Ostufer des Kanals entlang. Ein „Waldlehrpfad“ führte uns hier durch das Unterholz. Und jeder konnte die Vielfalt des Feuchtwaldes selbst erleben. Die Besonderheiten des Parks sind neben 525 Vogelarten und 105 Säugetierarten, 79 Reptilienarten, 55 Amphibienarten auch 36 Arten von Süßwasserfischen. Leider konnten wir hiervon nur ein paar Vögel, Riesenamei­sen, Käfer und anderes Kleingetier beobachten. Doch mit den besonderen Geräuschen der Riesengrille und dem Gebrüll der Brüllaffen fühlte man sich schnell in eine Filmkulisse von „Tarzan und Jane“ versetzt. Der Soberanía Nationalpark ist ein so genannter „Sekundär­wald“. Das bedeutet, dass der Bestand nicht auf den natürlichen Urzustand zurück zu führen ist. Denn beim Bau des Panamakanals wurden die Wälder ausgebeutet, um Baumaterialien zu gewinnen. Man erkannte schnell, dass der Wald sehr wichtig ist zum Schutz des Rio Chag­res und zur Speisung des Kanals mit Süßwasser. Dieser ist Haupt-Wasserlieferant des Pana­makanals und sorgt dafür, dass die Schleusen und somit der Kanal funktionieren. Das Wasser des Rio Chagres wird im Gatún-See, welcher beim Bau des Kanals entstanden ist, gestaut und beinhaltet das längste Stück der Fahrrinne für die Schiffe. An seinen Ufern trifft man auf exotische Tiere und Pflanzen, dazu jedoch später mehr.

Am Ufer des Flusses ange­langt, verteilten wir uns gerecht auf drei Boote. Sollte heißen, das kleinste Boot für unsere Schwerge­wichte, ein weiteres Boot für alle, die über Seekrank­heit klagten, und der Rest landete auf dem Boot mit dem stärksten Motor. Nun ging es über den Fluss raus auf den Kanal und Richtung Atlantik. Hier konnten wir die Dimensionen von Schiffen, Schleusen und Arbeitsgeräten im Kanal hautnah erfahren. Ganz besonders der 1941 in Deutschland gebaute Schwimmkran „Titan“ lies das Ingenieursherz höher schlagen. Mit seinen 350 t Tragkraft und einer Höhe von max. 114 m ist der Kran eine imposante Kons­truktion.

Weiter ging die Fahrt vorbei an Baggerschiffen und Bohrschiffen in einen Seitenarm des Ka­nals. Gespannt suchten wir die Wasseroberfläche und das Ufer nach den verspro­chenen Tieren ab. Und tat­sächlich, unsere wachsamen Kapitäne entdeckten Affen, Exen, Krokodile und die ver­schiedensten Vogelarten. Das echte Highlight folgte ein paar Flussinseln flussab­wärts. Unsere Melonen, als kleiner Snack gedacht, lock­ten einige hungrige Affen auf unsere Boote. Auch wenn diese Affen ca. 60 % ihres Lebens mit Schlafen verbringen, waren sie in diesem Moment hellwach und schnappten sich die Stücke aus unserer Hand. Auf der Rückfahrt zu unserer Anlegestelle konnten wir das An­docken eines  Schleppschiffes an einen Frachter live miterleben. Kaum vorzustellen, dass so ein kleines Schleppschiff, einen Panamax – Frachter im Notfall abbremsen kann, bevor dieser in die Schleusentore fährt und größeren Schaden anrichtet. Jedoch versicherte uns Klaus, dass das noch nie vorgekommen sei.

Geplagt von der Sonne und den ungewohnten Bewegungen der Boote traten wir die Rück­fahrt nach Panama an. Spontan bot der Busfahrer uns an, über die am 14. August 2004 von der Firma Bilfinger Berger fertiggestellte neue Panamakanalbrücke zu fahren. Nicht, dass eine Brücke sehr spannend für uns ist, doch die Puente Centenario, überspannt 420 m auf einer Höhe von 80 m über dem Kanalwasserspiegel. Mit Hilfe der 178 m hohen Pylone und der schräg angeordne­ten Seile wollte sich der damals schei­dende Präsident ein Denkmal setzen, was ihm mit diesem Bauwerk eindrucksvoll gelungen ist.

Zurück in Panama City setzte uns Klaus am Fuße des Ancun Hill an einem Restaurant ab. Wir wollten uns noch stärken, bevor wir uns zum Aufstieg auf den Ancun Hill machen wollten. Dieser sollte nämlich rund 1 Stunde dauern, ist aber bei der tropischen Hitze ein anstrengender Spaziergang. Gestärkt ging es dann durch den Verwaltungsbezirk des Kanals auf den Berg, auf dessen Gipfel die Nationalflagge Panamas weht. Von hier oben hatten wir einen traumhaften Ausblick über die ganze Stadt, den Kanal und die vorgelagerten Inseln im Pazifik. Gegen 17.30 Uhr setzte dann der Sonnenuntergang ein und es entstand eine wunderschöne Abendstimmung.

Autor: Ferdinand Märker

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